Leben um zu gewinnen

Das Zeichen

Gewinnen wie ein Knotenbaum.

Warum ein Baum, der Licht nimmt und über sein Wurzelnetz weitergibt, das Zeichen von Leben um zu gewinnen ist. Und was die Forschung dazu sagt.

Holzschnitt in Farbe: Morgensonne über einem großen Baum, dessen Wurzelnetz mit zwei jungen Bäumen verbunden ist.

Das Zeichen von Leben um zu gewinnen zeigt einen großen Baum im Morgenlicht. Links und rechts stehen zwei junge Bäume. Unter der Erde laufen ihre Wurzeln zusammen, verbunden durch ein Netz mit Knotenpunkten. Der große Baum bekommt das meiste Licht. Und er gibt etwas davon weiter.

Was im Wald unter der Erde passiert

Die Wurzeln vieler Bäume leben in enger Gemeinschaft mit Pilzen. Die feinen Pilzfäden umspinnen die Wurzeln, holen Wasser und Nährstoffe aus dem Boden und bekommen dafür Zucker vom Baum. Weil ein Pilz mehrere Bäume gleichzeitig berühren kann, können so Netze entstehen, die Bäume miteinander verbinden.

1997 hat die kanadische Forstwissenschaftlerin Suzanne Simard mit ihrem Team im Wald von British Columbia ein Experiment veröffentlicht, das berühmt wurde. Sie markierten Kohlenstoff in der Luft junger Birken und Douglasien und konnten danach messen: Ein Teil dieses Kohlenstoffs war über das Pilznetz von der einen Baumart in die andere gewandert. Die Studie erschien im Fachjournal Nature.

Aus dieser Arbeit wuchs später die Idee der Mutter- oder Knotenbäume: große, alte Bäume, die im Zentrum solcher Netze stehen und junge Bäume in ihrer Umgebung mitversorgen.

Was die Forschung heute dazu sagt

Ehrlich gesagt: Die Wissenschaft streitet darüber. 2023 haben die Forscherinnen und Forscher Justine Karst, Melanie Jones und Jason Hoeksema die Studienlage geprüft. Ihr Ergebnis: Viele populäre Aussagen über Pilznetze im Wald gehen über das hinaus, was die Feldforschung bisher belegt. Untersucht wurden nur wenige Waldtypen, und positive Ergebnisse wurden häufiger zitiert als neutrale.

Simard und ihre Kollegen haben 2025 geantwortet und halten an ihren Ergebnissen fest. Die Debatte ist offen.

Wir nutzen den Knotenbaum als Bild, nicht als Beweis. Das Bild trägt, weil das Prinzip auch ohne Pilznetz stimmt: Stärke, die geteilt wird, macht alle stärker.

Wachsen. Gewinnen. Weitergeben.

Wachsen

Kein Baum bleibt stehen. Entweder er wächst, oder er stirbt langsam ab. Bei Menschen ist es nicht anders: Stillstand gibt es in der Natur nicht. Wachsen heißt, in allen Lebensbereichen jeden Tag ein Stück weiterzukommen, im Denken, im Körper, in Beziehungen, beim Geld und im Glauben.

Gewinnen

Der große Baum holt sich das Licht. Er spielt, um zu gewinnen, nicht um zu spielen. Aber er gewinnt nicht, indem er anderen etwas wegnimmt. Er gewinnt, indem er höher wächst. Darum geht es bei Leben um zu gewinnen: richtiges Gewinnen von falschem unterscheiden.

Weitergeben

Was der Knotenbaum an Licht gewinnt, macht ihn stark genug, um die Jungen zu tragen. Wer gewinnt und nichts weitergibt, hat nur gesammelt. Wer gewinnt und weitergibt, hat etwas aufgebaut.

Warum ein Holzschnitt?

Das Zeichen ist bewusst im Stil eines Holzschnitts gestaltet: geschnitzt, kräftig, nicht glatt. Es ist das eine handgemachte Element auf einer sonst klaren, modernen Seite. Echt vor perfekt.

Quellen

  1. Simard et al. (1997): Net transfer of carbon between ectomycorrhizal tree species in the field. Nature 388, 579–582
  2. Karst, Jones & Hoeksema (2023): Positive citation bias and overinterpreted results lead to misinformation on common mycorrhizal networks in forests. Nature Ecology & Evolution
  3. Simard, Ryan & Perry (2025): Opinion – Response to questions about common mycorrhizal networks. Frontiers in Forests and Global Change
  4. The Mother Tree Project, University of British Columbia