
Mein Exemplar: englische Ausgabe „The Complete Classic Text“, gebunden
Von meinem Schreibtisch · Geld und Unternehmertum
Think and Grow Rich
Der Klassiker über Ziele, Ausdauer und Denken. Was drinsteht, was davon trägt und warum man die Geschichte hinter dem Buch kennen sollte.
- Autor
- Napoleon Hill
- Erschienen
- 1937, USA
- Untertitel
- Deutsch: Denke nach und werde reich
Worum es geht
Think and Grow Rich erschien 1937, mitten in der Weltwirtschaftskrise. Napoleon Hill verspricht darin eine Art Bauplan für Erfolg, den er aus Gesprächen mit erfolgreichen Menschen seiner Zeit gewonnen haben will. Der Titel klingt nach Geld, und Geld ist auch das Beispiel, das Hill immer wieder nutzt. Im Kern geht es aber um etwas anderes: wie aus einem Gedanken ein Ziel wird, aus dem Ziel ein Plan und aus dem Plan ein Ergebnis.
Das Buch ist in Schritte aufgeteilt. Hill nennt sie selbst Stufen auf dem Weg zum Reichtum. Viele davon klingen heute selbstverständlich. Das liegt auch daran, dass fast die gesamte Motivations- und Coaching-Welt seit Jahrzehnten aus diesem Buch schöpft, oft ohne es zu nennen.
Die Kernideen
Ein brennender Wunsch. Am Anfang steht nicht ein vages „Ich hätte gern“, sondern ein Wunsch, der so stark ist, dass er dein Handeln bestimmt. Hill verlangt, dass man ihn konkret macht: was genau, bis wann, und was man bereit ist, dafür zu geben.
Glaube an das eigene Ziel. Hill meint damit vor allem Selbstvertrauen. Wer selbst nicht daran glaubt, gibt beim ersten Widerstand auf. Er empfiehlt, sich sein Ziel immer wieder bewusst vorzusagen, damit es sich festsetzt. Er nennt das Autosuggestion.
Fachwissen statt Allgemeinwissen. Wissen ist für Hill nur dann Macht, wenn es gezielt eingesetzt wird. Niemand muss alles wissen. Man muss wissen, wo man es findet und wen man fragt.
Vorstellungskraft und ein Plan. Ideen sind der Anfang, aber ohne einen geordneten Plan bleiben sie Träume. Scheitert ein Plan, ist das für Hill kein Zeichen, aufzugeben, sondern einen besseren Plan zu machen.
Entscheiden. Wer lange zögert und sich ständig umentscheidet, kommt nicht voran. Hill beobachtet bei Erfolgreichen das Gegenteil: schnelle Entscheidungen, die sie nur langsam und mit gutem Grund wieder ändern.
Ausdauer. Für Hill der Punkt, an dem die meisten scheitern. Nicht an fehlendem Talent, sondern daran, dass sie kurz vor dem Ziel aufhören.
Die Mastermind-Gruppe. Mehrere Menschen, die gemeinsam an einem Ziel arbeiten und sich gegenseitig stärken, erreichen mehr als jeder für sich. Für Hill ist das einer der größten Hebel überhaupt.
Gegen Ende beschreibt Hill sechs Ängste, die Menschen bremsen: die Angst vor Armut, vor Kritik, vor Krankheit, vor dem Verlust von Liebe, vor dem Alter und vor dem Tod. Wer sie erkennt, kann sie überwinden.
Ehrlich eingeordnet
Zu diesem Buch gehört eine Geschichte, die man kennen sollte. Hill erzählte, der Stahlunternehmer Andrew Carnegie habe ihn 1908 beauftragt, die Erfolgsgesetze der reichsten Menschen Amerikas zu erforschen. Carnegies Biograf David Nasaw hat dafür nach eigener Aussage keinerlei Beleg gefunden. Hill erzählte die Geschichte erst nach Carnegies Tod. Auch die Interviews mit vielen anderen berühmten Männern sind nicht dokumentiert. Hill selbst war mehrfach in fragwürdige Geschäfte verwickelt, das hat der Journalist Matt Novak 2016 ausführlich recherchiert.
Dazu kommen Kapitel, die heute schwer zu lesen sind, etwa über die Umwandlung sexueller Energie oder über einen „sechsten Sinn“. Und ein Grundproblem: Hill schaut nur auf die, die es geschafft haben. Wer mit genauso viel Willen gescheitert ist, kommt im Buch nicht vor.
Warum es trotzdem auf meinem Schreibtisch liegt? Weil die Grundgedanken tragen, auch ohne die Legende drumherum: Klarheit über das Ziel, Entscheidungen treffen, dranbleiben, und sich mit den richtigen Menschen umgeben. Bei Leben um zu gewinnen gilt dazu eine Ergänzung: Denken ist der Startpunkt, nicht der Ersatz für Arbeit. Und Gewinnen heißt nicht, nur reich zu werden, sondern so stark zu werden, dass man weitergeben kann.
Für wen das Buch ist
Lies es, wenn …
du ein Ziel hast, aber immer wieder zögerst, oder wenn du verstehen willst, woher viele Ideen der heutigen Motivations-Szene stammen.
Lass es, wenn …
du belegte Forschung suchst oder Versprechen à la „Denken macht reich“ dich eher unter Druck setzen als antreiben.