
Mein Exemplar: deutsches Taschenbuch, Ullstein
Von meinem Schreibtisch · Denken und Wachstum
Factfulness
Warum wir die Welt schlechter einschätzen, als sie ist, und zehn Denkfallen, die uns dabei reinlegen. Was drinsteht und wie du es im Alltag nutzt.
- Autor
- Hans Rosling, mit Ola Rosling und Anna Rosling Rönnlund
- Erschienen
- 2018, deutsch bei Ullstein
- Untertitel
- Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist
Worum es geht
Hans Rosling war schwedischer Arzt und Professor für internationale Gesundheit. Er hat jahrzehntelang in armen Ländern gearbeitet und später mit seinem Sohn Ola und seiner Schwiegertochter Anna die Stiftung Gapminder gegründet. Rosling starb 2017, das Buch haben die beiden nach seinem Tod fertiggestellt. 2018 ist es erschienen.
Am Anfang steht ein Test. Rosling stellte seinem Publikum einfache Fragen zur Welt, etwa wie sich die extreme Armut entwickelt hat oder wie viele Mädchen in armen Ländern die Grundschule abschließen. Jede Frage hatte drei Antwortmöglichkeiten. Das Ergebnis: Studierende, Fachleute und sogar Entscheider lagen meist schlechter, als wenn sie geraten hätten. Rosling verglich das gern mit Schimpansen, die zufällig auf eine Antwort zeigen und dadurch auf etwa ein Drittel richtige Antworten kommen.
Seine Erklärung: Das liegt nicht an fehlender Intelligenz, sondern an Instinkten, die uns einmal beim Überleben geholfen haben und heute unser Weltbild verzerren.
Die zehn Instinkte
- Die Kluft. Wir teilen die Welt in „die da“ und „wir“, obwohl die meisten Menschen irgendwo in der Mitte leben.
- Das Negative. Schlechte Nachrichten fallen uns mehr auf als langsame Verbesserungen.
- Die gerade Linie. Wir denken, ein Trend geht einfach immer so weiter. Oft tut er das nicht.
- Die Angst. Was uns Angst macht, halten wir für wahrscheinlicher, als es ist.
- Die Größe. Eine einzelne große Zahl wirkt dramatisch, solange man sie nicht vergleicht.
- Die Verallgemeinerung. Wir schließen von einem Beispiel auf eine ganze Gruppe.
- Das Schicksal. Wir glauben, Länder, Kulturen oder Menschen seien, wie sie sind, und ändern sich nicht.
- Die eine Perspektive. Wer nur ein Werkzeug hat, sieht überall dasselbe Problem.
- Der Schuldige. Wir suchen lieber einen Schuldigen als die eigentlichen Ursachen.
- Die Dringlichkeit. „Jetzt sofort handeln!“ schaltet das klare Denken ab und führt zu schlechten Entscheidungen.
Zu jedem Instinkt gibt Rosling eine einfache Gegenfrage mit. Genau das macht das Buch so praktisch.
Ehrlich eingeordnet
Rosling war kein Schönredner. Er nannte sich selbst einen „Possibilisten“: Jemand, der weder grundlos hofft noch grundlos fürchtet, sondern sich an die Daten hält. Trotzdem gibt es Kritik. Manche Leser finden, das Buch lege den Schwerpunkt zu sehr auf Durchschnittswerte, hinter denen große Unterschiede und echte Risiken verschwinden können. Und die Zahlen im Buch sind auf dem Stand von vor 2018. Wer es heute liest, sollte aktuelle Daten danebenlegen, zum Beispiel auf der Seite von Gapminder.
Für mich passt das Buch perfekt zu Leben um zu gewinnen. Wer gewinnen will, braucht ein ehrliches Bild der Lage. Nicht schöner, als sie ist, aber auch nicht schlimmer. Angst ist ein schlechter Berater, und Panik verkauft sich gut. Factfulness ist das Gegenmittel.
Für wen das Buch ist
Lies es, wenn …
dich die Nachrichtenlage runterzieht oder du lernen willst, mit Zahlen klarer zu denken, ohne Mathe-Vorwissen.
Lass es, wenn …
du eine Analyse einzelner aktueller Krisen erwartest. Das Buch ist ein Werkzeug fürs Denken, kein Lagebericht.